Foto: Julian Frenzel

OK KID – Frühling Winter (Official Video)

Bis auf ein paar wenige sehr gut situierte Gesellschaftsteilnehmer wird die COVID-19-Pandemie die meisten von uns wohl auf die ein oder andere Weise kalt erwischt haben. Aus dem eigenen Erfahrungsschatz: Corona hat mich zweimal in einem Jahr den Job gekostet. Ich kann von Glück reden, dass mehr oder weniger nach dem Start meiner Selbstständigkeit diese direkt wieder beendet war, aber immerhin nicht lange genug gedauert hat um noch vom Amt mit Arbeitslosengeld unterstützt zu werden. Inzwischen blicke ich hoffnungsvoll einer von der Arbeitsagentur finanzierten Umschulung entgegen. Geld ist immer noch sehr knapp, aber ich möchte mich nicht beklagen. Auch nicht darüber, dass meine bessere Hälfte als Teil des Kulturbetriebs seit Monaten in einem für das Publikum geschlossenen Theater arbeitet und aufgrund der immer weiteren Vorstellungsabsagen radikaler Kurzarbeit entgegenblickt. Nein, ich möchte nicht klagen, denn da es sich um ein städtisches Theater handelt, hätte die Corona-Keule schon sehr viel eher zuschlagen können. Und gewiss auch härter. Auch möchte ich nicht darüber klagen, dass mein Mini-Me im Alter von zwei Jahren im vergangenen Jahr kaum mal seine Kita von innen gesehen hat. Nein, ich möchte mich wirklich nicht beklagen. Corona hat bisher um uns weitgehend einen Bogen gemacht und auch sonst könnte die Lage wirklich schlimmer sein.

So wie bei denen, die Angehörige an die Krankheit verloren haben oder selbst daran erkrankt sind und womöglich schwere und harte Zeiten in Krankenhäusern verbringen mussten. Oder bei denen, die seit Monaten ohne Job, ohne Einkommen ausharren müssen, darauf wartend, dass die halbgaren Maßnahmen der Regierung zu ihrer Unterstützung endlich mal eintrudeln und sie wenigstens eine Perspektive bekommen, wie sie ihre laufenden Kosten gedeckt bekommen oder die nächste warme Mahlzeit sicherstellen können. Ja, die Pandemie hat inzwischen viele Opfer gefordert, nicht nur auf direkte Weise in Form von Erkrankung und Todesfällen, und bei manchen Dingen wird mir wirklich angst und bange, wenn ich die Gedanken fortführe.

Aus offensichtlich naheliegenden Gründen liegt mir die Kulturbranche sehr am Herzen. Ohne die zahlreichen Menschen, auf und hinter der Bühne, in den Tonstudios, in den Plattenfirmen, in den PR-Agenturen und was weiß ich nicht noch alles, wäre nicht nur dieser Blog hier nicht (mehr) existent, sondern nicht nur mein Alltag sehr viel öder. Ich wüsste ganz ehrlich nicht, was ich ohne die viele Musik anstellen sollte, die unseren Planeten, unsere Kultur bereichert. Jeden Tag bin ich dankbar dafür, dass – verzeiht die Wortwahl – trotz des riesigen Kübels Scheiße, der über uns ausgeschüttet wurde, immer noch Musiker:innen (und deren Helferlein im Hintergrund) aktiv sind und uns mit ihrem Tun durch schwere Zeiten bringen.

Damit komme ich zum eigentlichen Anliegen: OK KID haben kürzlich einen Song veröffentlicht, der den Titel „Frühling Winter“ trägt und in der vorletzten Zeile eine ganz elementare Frage stellt. „Was wär, wenn Musik nicht mehr wär?“ singt Sänger Jonas Schubert und spricht anschließend Millionen Menschen, die in der Kulturbranche tätig sind, quasi aus der Seele: „Was ist das, was ich tu eigentlich wert?“ Ich kann nur für mich sprechen: Eine Welt ohne Musik ist möglich, aber sinnlos.

Dass die Band in dem Song auch noch andere, gesellschaftlich wichtige Themen aufgreift, ist sehr nobel. Kultur ist wichtig, dennoch gab es im vergangenen Jahr neben Corona auch andere wichtige Themen, denen auch heute noch entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Mal in den Raum gefragt: Was wurde denn aus dem gemeinsamen Kampf gegen Rassismus, nachdem wir uns im Sommer alle kurz mal die Profilbilder in den sozialen Netzen schwarz gemacht hatten? Was genau haben wir eigentlich aus Hanau gelernt? Und, last but not least: Das Klima interessiert sich nicht für einen Virus.

OK Kid haben ein bemerkens- und sehenswertes Video veröffentlicht, gedreht in der leeren Kölner Philharmonie, das Ihr Euch hier anschauen könnt:

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