Foto: Roman Jasiek / Music Evangelists

IAMX – The Unified Field

"I want it to move you, to f*** you and to dictate the psychology of your offspring"

I want it to move you, to f*** you and to dictate the psychology of your offspring“ – dieses Zitat, dem Pressetext zum neuen IAMX-Album „The Unified Field“ entnommen, kündigt noch von wirklichen Zielen eines Musikers. Vor allem aber klingt das nach einer gehobenen Portion großer Schnauze. Wie sich immer wieder gezeigt hat, macht ein großspuriger Auftritt noch kein tolles Album oder gute Musik generell aus. Lange Rede, gar kein Sinn: was kann „The Unified Field“? Das ist hier die Frage.

Genauso wie Oswald Henke hat auch Chris Corner kürzlich die Möglichkeiten des Crowdfundings für sich entdeckt. „The Unified Field“ wurde über das Portal PledgeMusic.com mitfinanziert. Erfolgreich, möchte ich sagen, denn das von Fans und Überzeugten gespendete Geld zur Produktion und Promotion des neuen Albums erzielte 480% des ursprünglichen Ziels! Noch krasser ist allerdings, dass die ursprünglich angepeilten 100% bereits in extrem kurzer Zeit eingesammelt wurden. Mr. Corner wird dazu wie folgt zitiert: „Oh f*** me outrageously, I cannot understand this! 100% pledge crowd-funding reached in under an hour„.

Jede Menge Vorschusslorbeeren, denen IAMX da gerecht werden müssen. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass es sich hierbei um eine Aufgabe handelt, die Chris Corner mit seinem abgefahrenen Electro-Clash spielend meistern kann. Und wie sich bei „The Unified Field“ zeigt, auch tut. Eingeleitet wird das Album mit dem mächtigen „Come With Knives„, das zu Beginn wirkt wie ein Kinderlied, das über ein elektrisch pulsierendes Grundgerüst gelegt wurde, ehe sich Spinett und Herrn Corners überzogener, dezent verfremdeter Gesang dazu gesellen. Und schwupps, schon ist man mitten drin in einem der überzeugendsten Alben elektronischer Natur dieses Jahres.

Ganz offensichtlich liebt und lebt Chris Corner die Abwechslung. Gemeint ist hierbei nicht die Mischung aus schnelleren und langsameren bzw. ruhigeren Songs, sondern die Wilderei in Gefilden, die nicht unbedingt erwartet werden. Dass IAMX grundelektronisch daherkommt, immer wieder durchsetzt mit echten Klängen (Gitarre, Klavier und ähnlichen, seien sie noch so verfremdet), ist bekannt. Dass IAMX aber immer wieder auch für Überraschungen gut sind, zeigt beispielsweise das Stück „Land Of Broken Promises„. Anfänglich eine Folknummer mit schwerem 70er-Jahre-Einschlag. Hier wartet man beinahe nur noch darauf, dass sich Simon & Garfunkel mit einklinken. Das hat sich aber ratzfatz erledigt, wenn Corner das Tempo anhebt und daraus eine elektronisch-folkloristische Kneipennummer macht, die den Hörer unweigerlich an das bunte Treiben in einem Irish Pub denken lässt – Streicher sowie paukend-stampfender Rhythmen inklusive. Und dann ist da ja auch noch der schrille Gesangsbeitrag von Corners musikalischer Partnerin Janine Gezang, der das akustische Treiben nur noch abgedrehter werden lässt. Auch wenn sich der Eindruck breit macht, Herr Corner ist stets darum bemüht, seine klanglichen Ergüsse möglichst schrill wirken zu lassen, so zeigt er auf „The Unified Field“ einmal mehr, dass es eben auch anders geht. „Under Atomic Skies“ gefällt durch seine düstere Stimmung, den ruhigen Grundtenor sowie schwebende Klangflächen, die einmal mehr ihre Wurzeln in den 70ern zu haben scheinen. Und dann ist da ja auch noch die herzzerreissende Ballade „Trials„. Wie gesagt, Abwechslung wird hier groß geschrieben.

Die musikalische Vielfalt und die hohe qualitative Güte mögen ihre Wurzeln nicht nur in dem Können Chris Corners haben. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass es zu Teilen auch an der „fast schon Re-Union“ der Sneaker Pimps liegt, die auf diesem Album stattfindet. Chris Corner arbeitete hier erneut mit Liam Howe zusammen, mit dem er schon zu seligen Sneaker Pimps-Zeiten an tollen Songs schraubte. Bei einigen Songs steuerte Howe ein paar zusätzliche Synthie-Programmierungen bei. Ein weiterer Faktor könnte sein, dass dieses Album von Jim Abbiss produziert wurde. Abbiss war unter anderem für Adele tätig, die Arctic Monkey – und die Sneaker Pimps. Merkt Ihr was?

Letztendlich ist es aber auch egal, durch welche Kollaborationen und/oder Einflüsse das Ergebnis zustande gekommen ist – entscheidend ist nur eines – das Endresultat. Bei IAMX im Jahr 2013 wird nicht mehr geküsst und geschluckt. Wir müssen nicht mehr im Nachtleben überleben. Wir sind alle eins auf diesem vereinheitlichten Felde. Die anfangs erwähnte große Schnauze kann er übrigens haben, der Herr Corner – es steckt ja definitiv auch etwas dahinter.

„Volatile Times“ fand ich nicht gut, echt nicht. Bis dahin konnte ich mit dem Schaffen aus dem Hause IAMX immer etwas anfangen, vor allem und ganz besonders dann, wenn es bei einem Konzert dargeboten wurde, aber mit dem vierten Album wurde ich nie warm. Ganz anders hingegen verhält es sich mit dem nunmehr fünften Werk. „The Unified Field“ hat mich sofort für sich eingenommen und wird mich in diesem Jahr noch sehr lange begleiten und beschäftigen.

Erscheinungsdatum
22. März 2013
BAND/KÜNSTLER:IN
IAMX
ALBUM
The Unified Field
LABEL
Caroline
Unsere Wertung
7.8
WERBUNG (PROVISIONSLINK)
IAMX – The Unified Field
FAZIT
"Volatile Times" fand ich nicht gut, echt nicht. Bis dahin konnte ich mit dem Schaffen aus dem Hause IAMX immer etwas anfangen, vor allem und ganz besonders dann, wenn es bei einem Konzert dargeboten wurde, aber mit dem vierten Album wurde ich nie warm. Ganz anders hingegen verhält es sich mit dem nunmehr fünften Werk. "The Unified Field" hat mich sofort für sich eingenommen und wird mich in diesem Jahr noch sehr lange begleiten und beschäftigen.
INHALT/KONZEPT
7.5
TEXTE
8
GESANG
8
PRODUKTION
8
UMFANG
7.5
GESAMTEINDRUCK
8
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Zum Teil von Fans finanziert; die finanzielle Freiheit bekommt dem Album spürbar gut.
Wieder ein bisschen eingängiger als zuvor.
NEGATIV
7.8
PUNKTE

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