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Interview mit Haujobb zur Veröffentlichung von „New World March“

Im Gespräch mit Daniel Myer und Dejan Samardzic

Wer auf frickeligen, mit viel Liebe zum Detail ausgearbeiteten und angenehm analogen Electro-Sound steht, der kommt in diesem Herbst um das neue Haujobb-Album “New World March” einfach nicht herum. Auch wenn das Album aufgrund eines Fehlers der Druckerei in physischer Form noch auf sich warten lässt, so schlägt es in der Electro-Gemeinde doch schon hohe Wellen. Ein guter Grund für uns, Daniel und Dejan von Haujobb ein paar Fragen zum Album per Mail rüberzupusten. Was sie zu erzählen hatten, lest Ihr nun hier.

Zunächst mal herzlichen Glückwunsch zu dieser mehr als gelungenen Rückmeldung in der Electro-Szene. 8 Jahre können eine verdammt lange Zeit sein. Was habt Ihr so getrieben in der Zwischenzeit?

Daniel: Gearbeitet. Ich war und bin sehr involviert bei Covenant. Ausserdem habe ich noch ein Projekt mit meinem Freund Seb (Destroid) und Architect natürlich.

Dejan: Als Haujobb geplant und Ideen gesammelt, aber natürlich nicht pausenlos und 8 Jahre lang.

Wann und wie kam es zu dem Entschluss, wieder eine Haujobb-Platte zu machen? Wird wohl einige gegeben haben, die die Hoffnungen darauf inzwischen zu Grabe getragen hatten.

Daniel: Wir haben schon sehr früh nach Vertical Theory angefangen, neue Songs zu machen. Aber ich denke, so richtig glücklich waren wir nicht. Zudem lebte ich bereits in Leipzig und die Zusammenarbeit war ein wenig schwierig. Als dann Dejan auch nach Leipzig gekommen ist, hat das Ganze wieder konkrete Formen angenommen und wir haben uns mehr und mehr um unser Baby Haujobb gekümmert.

Erzählt mal etwas über “New World March”. Was ist das Konzept dahinter? Was wollt Ihr damit ausdrücken? Gibt es soetwas wie einen roten Faden?

Daniel: Der rote Faden ist die düstere und kalte Stimmung, die aber trotz allem organisch wirken soll.

Dejan: Man wird zur Zeit das Gefühl nicht los, dass der (zumindest westlichen) Welt ein Umbruch bevorsteht. Das wird wahrscheinlich nur dann stattfinden, wenn vorher eine Art Zusammenbruch passiert. NWM könnte ein möglicher Soundtrack dazu sein, wenn auch ein sehr pessimistischer.

Hört man sich die Scheibe an, dann fällt auf, dass Ihr ziemlich konsequent an vielem vorbei schippert, was derzeit in der (Schwarzen) Electro-Szene gern genommen wird. Beispielsweise plakative (um nicht zu sagen: alberne) Texte, verzerrte Vocals und so weiter. Was hat Euch bei der Produktion der Platte inspiriert? Andere Künstler eventuell oder Begebenheiten aus dem Tagesgeschehehn oder gar aus Eurem persönlichen Umfeld?

Daniel: Ich selbst bin sehr inspiriert von meinem Reisen, die einhergehen mit meinem Job als Musiker. Ich bin in vielen Clubs und höre immer die gleichen Songs und sehe immer die gleichen Bands… Warum sollen wir das machen, was 99% der Szene-Bands auch machen.

Dejan: Ich war irgendwie besessen von der Idee das neue Album analog klingen zu lassen, als Gegenpart zu vielen aktuellen Produktionen. Manchmal denk ich, ich werde mehr inspiriert von Musik, die mir auf den Geist geht, als von guten Sachen.

Jeden einzelnen Song auf diesem Album würde ich gerne mit gutem Wein vergleichen wollen, der eine lange Reifezeit braucht, um wirklich gut zu werden. Wie lange habt Ihr an den Songs geschraubt? Beziehungsweise: wie lange tüftelt Ihr für gewöhnlich an einem Song herum bis Ihr denkt: “So, nu ist gut”?

Daniel: Zum Beispiel ist New World March bestimmt schon 5 Jahre alt und hat sich nicht grossartig vom ersten Demo bis zur finalen Version verändert. Machine Drum dagegen hat sehr viele Stadien durchgemacht und war sogar mal eine Acid Nummer. 😉 Es gibt bei uns also keine Blaupause, wie so ein Song enstehen kann und was am Ende dabei rauskommt, kann auch für uns überraschend sein.

Überhaupt: Wie sieht Eure Vorgehensweise aus? Was steht zuerst? Die Texte? Die Melodien? Gibt ja Musikerkolleg:innen, die sehr diszipliniert an das Erschaffen von Musik herangehen, während es sich bei anderen “irgendwie ergibt”. Wie ist das im Hause Haujobb?

Daniel: Auch hier ist es je nach Song und Text unterschiedlich. Da wir beide an den Songs arbeiten, ist es automatisch verschieden, da wir auch verschiedene Arbeitsweisen und Techniken und vor allem auch verschiedene Mittel benutzen.

Wie sieht diese Arbeitsweise aus? Worin unterscheidet Ihr Euch? Und mit welchen Mitteln arbeitet Ihr?

Daniel: Ich benutze zum Beispiel Studio One, Dejan benutzt Cubase als Hauptsequencer Programm. Software mässig benutzte ich sehr viel den Sylenth, Dejan sehr gerne Freeware, so eine Moogemulation.

Nicht alle Texte auf “New World March” stammen aus Eurer Feder. So stolpert man beim Blick ins Booklet immer wieder mal auf den Namen wie Susanne Thiele oder Michael G. Stone. Wer ist das und wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Daniel: Mit dem Author Michael Stone bin ich seit Anfang 2000 befreundet und ich mag seine Texte und seine Lyrik sehr.

Dejan: Susi hat schon viele Texte für z.B. Accessory geschrieben. Und Michael hat ja quasi New World March “erfunden”.

Bleiben wir noch kurz bei den Texteschreibern: Auch Joakim Montelius von Covenant hat sich mit Texten am Album beiteiligt. Wie kam es denn zu dieser Zusammenarbeit?

Daniel: Joakim ist ein sehr guter Freund von mir und ich liebe seine Texte. Das ist eine Stärke bei Covenant, denke ich. Songs wie 20Hz zum Beispiel sind so ergreifend, hach… ein Traum. 😉

Stichwort Covenant: Daniel ist ja nun Teil von Covenant und als solcher auch an der Entstehung des letzten Albums beteiligt gewesen. Wie sah denn die Zusammenarbeit umgekehrt bei Haujobb aus? Wie kann man sich als Außenstehender das vorstellen? Ich könnte mir vorstellen, dass Ihr Soundtüftler Euch irgendwie gegenseitig anstachelt.

Daniel: Genau so ist es.

“New World March” ist im Kasten und wird nun hoffentlich seinen Siegeszug antreten. Wie geht es jetzt für Euch weiter? Wie sind Eure Pläne für die nächste Zukunft? Vielleicht noch eine Single-Auskopplung? Eventuell eine Tour?

Daniel: Wir werden erstmal im Dezember 4 Shows im Zuge der Neuwerk Festival Tour absolvieren. Dann ist im Januar der Planetmyerday und dann werden wir uns mit unserer Bookingagentur mal zusammensetzen und einen Schlachtplan für die Eroberung der Welt entwickeln.

Dejan: Wir haben auch noch Tracks übrig, sowie weitere Remixes. Mal sehen in welcher Form wir das veröffentlichen. Gestern noch in einem Gespräch festgestellt, dass wir beide am liebsten jedoch neues Material “bauen” würden.

Unserer Tradition folgend gehören die letzten Worte hier Euch. Gibt es noch etwas, was Ihr unseren Lesern mitteilen möchtet?

Dejan: Also, ich weiß nie wirklich was ich sagen soll, ausser vielleicht Danke, Danke, Danke an alle!