Foto: Tatra Records

Apoptygma Berzerk – You And Me Against The World

Auf den Pfaden Placebos, nur in deutlich weniger gut

Schon auf den letzten Konzerten der Elektro-Combo Apoptygma Berzerk haben „echte“ Instrumente, vornehmlich Gitarren, großzügig in die Musik von AB Einzug gehalten. Ein Trend, der sich nun auch auf dem jüngsten Longplayer der Band, „You And Me Against The World“, wiederfindet. Wir haben uns mal als Testhörer betätigt und versuchten herauszufinden, warum AB angesichts des Stilwechsels an Bedeutung verlieren könnten.

Wer sich schon länger mit Apoptygma Berzerk beschäftigt, weiß, dass die norwegische Formation um Stephan Groth einst als reines Elektro-Projekt gestartet ist und als solches diverse Spielarten selbiger Musik durchexerziert hat, so unter anderem EBM und Avantgarde-Electro.

Auf Konzerten, vor allem in der jüngeren Vergangenheit, gesellten sich dann auch E-Gitarren in das Klangbild der Band. Nun, wer sich das erste Mal das jüngste Schaffenskind der Band zu Gehörgang führt, wird sich möglicherweise ob anderer Gewohnheiten kräftig die Ohren reiben, denn was da aus den Boxen ertönt, hat mit den früheren AB herzlich wenig zu tun. Elektronische Pophymnen, durchsetzt und ergänzt durch E-Gitarren. Ein ums andere Mal kommt man somit nicht umhin, sich beim Hören an Placebo erinnert zu fühlen – was ja nicht zwangsweise schlecht sein muss. Eingefleischte Electro-Fans werden sich ob des teilweise arg weichgespülten und auf kommerziellen Erfolg getrimmten Liedguts zwar möglicherweise vor den Kopf gestoßen fühlen, andererseits: wenn eine Band ewig die gleiche Schiene fährt, jammern auch alle.

Wenn man sich allerdings damit anfreudet, dass „You And Me Against The World“ nurmehr ein radiotaugliches Pop-Album ist, kann man damit sicherlich eine Menge Spaß haben. Das vorab als Single ausgekoppelte „In This Together“ beispielsweise setzt sich so gnadenlos als Ohrwurm fest, dass man AB manchmal fast für dieses geniale Stück Popmusik verfluchen möchte. Davon abgesehen findet sich auf dem Album unter anderem auch eine sehr gelungene Cover-Version des Kim Wilde-Klassikers „Cambodia„, welche dem Song jede Menge neuen Reiz verleiht.

Wäre doch auch nur der Rest des Albums so gelungen wie die genannten zwei Tracks. Der Rest plätschert so dezent vor sich hin, nicht wirklich schlecht aber auch nichts, das irgendwie hängen bliebe. Somit reihen sich Apoptygma Berzerk irgendwo weit hinter Placebo ein, lediglich der Elektro-Anteil von AB ist noch etwas höher. Ob das so bleibt, wird sich ja zeigen. Wer weiß, vielleicht überraschen Apoptygma Berzerk ihre Hörer:innen auf dem nächsten Album mit einem neuerlichen Stilwechsel? Wünschenswert wäre es, weil derzeit sind sie nichts besonderes, für die Mittelmäßigkeit aber andererseits zu talentiert.

Erscheinungsdatum
12. September 2005
BAND/KÜNSTLER:IN
Apoptygma Berzerk
ALBUM
You And Me Against The World
LABEL
Tatra Records
Unsere Wertung
6.7
WERBUNG (PROVISIONSLINK)
Apoptygma Berzerk – You And Me Against The World
FAZIT
Wäre doch auch nur der Rest des Albums so gelungen wie die genannten zwei Tracks. Der Rest plätschert so dezent vor sich hin, nicht wirklich schlecht aber auch nichts, das irgendwie hängen bliebe. Somit reihen sich Apoptygma Berzerk irgendwo weit hinter Placebo ein, lediglich der Elektro-Anteil von AB ist noch etwas höher. Ob das so bleibt, wird sich ja zeigen.
INHALT/KONZEPT
6
TEXTE
6
GESANG
8.5
PRODUKTION
7.5
UMFANG
7
GESAMTEINDRUCK
5
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Tolle Coverversionen von "Cambodia" und "Shine On".
NEGATIV
Wenn aber zwei Cover-Songs das Highlight sind, läuft was falsch.
Verliert sich in beliebiger Mittelmäßigkeit.
6.7
PUNKTE

Kommentar verfassen